50 Aktenkilometer.
Ein begehbares Stasi-Hörspiel
Auf Einladung des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) zeigen Deutschlandradio Kultur, HAU und Rimini Protokoll noch einmal "50 Aktenkilometer. Ein begehbares Stasi Hörspiel". Der zweite Teil der mobilen Handy-Hörspiel Reihe RADIOORTUNG - Hörspiele für Selbstläufer von Deutschlandradio Kultur ist noch einmal vom 1. September bis 31. Oktober 2011 in Berlin zu erleben.
In Koproduktion mit dem Hebbel am Ufer haben Deutschlandradio Kultur und Rimini Protokoll ein ortspezifisches Hörspiel entwickelt, das für die Besucher vier Wochen lang in Berlin-Mitte begehbar sein wird.
Für ihr Stück ziehen Rimini Protokoll Stasi-Akten aus den Archiven in die Gegenwart der Stadt.
An die hundert Menschen wurden in Berlin-Mitte befragt, erinnern sich oder rekonstruieren am Mikrofon Beobachtungen. Wie hören sich Protokolle der Observation am Ort ihrer Aufnahme für den damals Observierten an und wie schnell wird man vom vorerst Unbeteiligten zum aktiven Mitspieler?
Mit dem Blick auf die vertraute Alltäglichkeit der Stadt und den O-Tönen von damals im Ohr, stellt sich ein seltsames Vexierbild her: wie leicht ist es, einer banalen Handlung einen doppelten Boden zu unterstellen, wie schnell wird etwas amtlich und unzweifelhaft, weil es einmal schriftlich festgehalten wurde? Mitten in der Lifestyle Kapitale Berlin stoßen die Hörer bei ihrem Spaziergang auf Observationsberichte, Persönlichkeitsbilder, Operativpläne, Gedächtnisprotokolle und Originaltöne aus den Archiven.
Für das Hörspiel beantragten Betroffene erstmals Akteneinsicht bei der BStU, der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatsicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Aufnahmen vom bürokratischen Vorgang der Aktenbeantragung und der Lektüre dessen, was Menschen im direkten Umfeld über das eigene Leben festhielten, werden hörbar: die Annäherung der Betroffenen an ihre Akte - wie sie sie öffnen, querlesen, sich darin vertiefen, angewidert sind, interessiert nachlesen, sich wundern über dieses parallel zu ihrem eigenen Leben geführte staatliche Tagebuch.
Über 100 - akustische Blasen- sind in Form von Audiodateien auf der Google-Map von Berlin verteilt. Mit Hilfe von GPS-Telefonen werden die Besucher als Fußgänger zu "Eingeweihten", die in die Geschichte tauchen. Über das GPS-Handy sind sie jederzeit ortbar und lösen bei ihrem Spaziergang durch die Stadt die Audio-Dokumente aus und machen sie so hörbar - für ihre eigenen Ohren aber auch für die Personen, die sie online beschatten und ihre Bewegungen auf der virtuellen Karte verfolgen können.
Und auch der online-Besucher kann sich durch den akustischen Observierungs-Stadtplan bewegen. Alleine oder in Gruppen gilt es für die realen Flaneure und die online-Besucher selbst mit der Rolle der Überwachungsinstanz umzugehen - auf der Suche nach den Audio-Pforten in die Stadt unter der Stadt.
RIMINI PROTOKOLL
Helgard Haug, Stefan Kaegi und Daniel Wetzel arbeiten in unterschiedlichen Konstellationen unter dem Label Rimini Protokoll. Sie gelten als die "Protagonisten und Begründer eines neuen Reality Trends auf den Bühnen" (Theater der Zeit), der die junge Theaterszene geprägt hat. Mit scharfsinnigen Interventionen im öffentlichen Raum sowie mit dokumentarischen Theaterstücken und Hörspielen, die in der bunten Zone zwischen Realität und Fiktion angesiedelt sind, haben sie auch international auf sich aufmerksam gemacht.
Seit 2004 haben Rimini Protokoll im Hebbel am Ufer ein Produktionsbüro und damit Berlin zur Ersten Adresse ihrer internationalen Theaterarbeit gemacht.
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