Archiv der zukünftigen Ereignisse
Pre-Enactment von Hofmann&Lindholm
Was wissen Sie über die Zukunft? Was wird auf Sie, auf die Stadt, auf unsere Gesellschaft zukommen? Am 15. September hat das interdisziplinär agierende Regie- und Autorenduo Hofmann&Lindholm ein "Archiv der zukünftigen Ereignisse" in Köln eröffnet und damit die Grenzen der Stadt um ihre potentielle Zukunft erweitert. Auf der Google Map sind 37 zukünftige Ereignisse platziert - an den Orten, an denen die Ereignisse früher oder später stattfinden werden. Tritt ein Ereignis ein, verschwindet es aus dem Archiv der zukünftigen Ereignisse und von der interaktiven Karte.
Für die akustischen Vorwegnahmen zukünftiger Ereignisse haben Hofmann&Lindholm Institutionen, Kulturschaffende und Privatpersonen gebeten, ihr Wissen um die Zukunft mit ihnen zu teilen und Ereignisse, die noch nicht geschehen sind, aber aller Wahrscheinlichkeit nach eintreffen werden, so konkret wie möglich zu beschreiben und vorwegzunehmen. Die Prognosen und Vorwegnahmen beziehen sich auf kulturelle Veranstaltungen, städtebauliche Maßnahmen, den technischen Fortschritt, politische oder betriebswirtschaftliche Veränderungen, berühren aber ebenso den Lebenslauf einzelner und können auch den Tod zum Thema haben. Aus diesem Material sind akustische Vorinszenierungen entstanden, die am Ort des in naher oder ferner Zukunft aller Wahrscheinlichkeit nach eintreffenden Ereignisses hörbar sind.
Bei seinem Spaziergang durch die Kölner Innenstadt stößt der Hörer, ausgestattet mit einem Internet-GPS-Handy und der RADIOORTUNG App, auf Spuren, die schon heute auf morgen verweisen. Er bewegt sich durch ein akustisches Archiv, das - auf vorproduzierten "O-Tönen" basierend - zukünftige Ereignisse aus Sicht der handelnden Personen in Szene setzt. So steht man beispielsweise mit Karin Beier in der Nähe des Inspizienten auf der Seitenbühne des Schauspiel Köln und lauscht der Abschiedsrede, die die scheidende Intendantin 2013 halten wird. Andernorts wird man Zeuge der noch anstehenden Eröffnungszeremonie der Zentralmoschee in Köln Ehrenfeld, folgt dem Oberbürgermeister der Stadt Jürgen Roters sowie den Ausführungen des Architekten Paul Böhm oder erinnert sich mit Bernd Streitberger, dem Kölner Baudezernenten, an Dinge, die noch kommen werden. Die Hörer feiern mit dem Blasorchester der Kölner Verkehrsbetriebe die Einweihung einer U-Bahnhaltestelle im Dezember 2011, erleben Politiker im Kommunalwahlkampf 2014 und 2019 und Jugendliche auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Sie begleiten Menschen, die Abschied nehmen, feiern den 101. Geburtstag der heute einhundertjährigen Ruth Henckels, nehmen Anteil am Schicksal des 1.FC Köln und bewegen sich mit Kaspar König durch eine Ausstellung des Museum Ludwig, die erst Wochen später zu sehen sein wird.
Hofmann&Lindholm
Als Regie- und Autorenteam realisieren Hannah Hofmann und Sven Lindholm seit 2000 Projekte an der Schnittstelle zwischen szenischer, bildender und akustischer Kunst. Dabei handelt es sich um Stadtrauminterventionen, Theaterabende, Hörstücke, Lectures, Videoinstallationen und Filme. Das Goethe-Institut zählt Hofmann&Lindholm zu einem der 25 wichtigsten Regie- und Performancekollektive in Deutschland.
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